Gutsbezirk Breithülen
Geschichte des Ortes
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Breithülen und Münsingen auf der Alb sind in Baden-Württemberg bei vielen bekannt. Zumindest bei den vielen Tausend Soldaten, die zwischen 1895 und 2005 auf dem dortigen Truppenübungsplatz mehr oder weniger lang stationiert waren. Das ganze Areal mit der Soldatensiedlung Altes Lager, das angrenzende Vorlager und das 1898 in Breithülen eingerichtete Remontedepot  wurden 1942 vom württembergischen Innenministerium zum Heeresgutsbezirk Münsingen erklärt.

Ein kluger Schachzug: So konnten die Militärs auf dem gemeindefreien Gebiet ohne kommunale Verwaltungsverfahren Bauvorhaben unter völliger Geheimhaltung erledigen.
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die französischen Streitkräfte den Gutsbezirk für ihre Truppen. Von 1957 an durften deutsche Soldaten das Übungsgelände mit benutzen. Nach dem Abzug des französischen Militärs übernahm 1992 die Bundeswehr den Gutsbezirk.

Bis 1945 lenkte die Geschicke des Gutsbezirkes kein Bürgermeister, sondern der Leiter der Heeresstandortverwaltung Münsingen. Von 1946 an war das jeweils ein von der Bundesfinanzverwaltung bestellter  Bezirksvorsteher: Friedrich Schock (1946 bis 1975), Adam Fleischmann (1975 bis 1980), Günther Müller (1980 bis 1982) und Horst Medrow (1982 bis 2010). 

An ihrer Seite agierte jeweils ein Geschäftsführer, der mit einem Ortsvorsteher vergleichbar ist. Das waren während der 64 Jahre Paul Früh (1946 bis 1976) und Willi Börgmann (1976 bis 2010). Sie kümmerten sich unter anderem um die Gemeindeaufgaben der Gutsbezirkler, die die vergangenen sieben Jahrzehnte keinen Bürgermeister und keinen Gemeinderat wählen durften.

Mit der Schließung des Truppenübungsplatzes Ende 2005 und der damit verbundenen Entmilitarisierung des Areals wurden in den angrenzenden Kommunen Münsingen und Heroldstatt erstmals Stimmen laut, die bewohnten Flächen zu rekommunalisieren und den Gutsbezirk aufzulösen. Fast fünf Jahre gingen ins Land, bis am 15. Dezember 2010 der Landtag in Stuttgart das Rekommunalisierungsgesetz zum 1. Januar 2011 auf den Weg brachte.

Mit Auflösung des Gutsbezirkes wurde die ehemalige Soldatensiedlung Altes Lager, die Königstraße und die Wohnsiedlung Kapf in Auingen mit einer Gesamtfläche von 96 Hektar zu Münsingen im Landkreis Reutlingen eingegliedert. Breithülen mit 77 Hektar kam zu Heroldstatt, die ehemalige Standortmunitionsniederlage sowie das Munitionslager mit einer Gesamtgröße von 56 Hektar zu Schelklingen im Alb-Donau-Kreis. Auf diesem Areal waren einst die Sommerställe des Remontedepots,

Die meisten Bewohner hatte der Gutsbezirk in den 1950er-Jahren. Damals waren mehr als 400 Menschen im gemeindefreien Gebiet gemeldet. Danach zählte die Verwaltung bis zum Abzug der Bundeswehr im Jahr 2005 im Schnitt jährlich zwischen 200 und 300 Einwohner. Nach der Schließung der Soldatenunterkunft Altes Lager und des ehemaligen Remontedepots in Breithülen, das von 1961 bis 2005 als Mobilmachungsstützpunkt der Bundeswehr diente, sank die Einwohnerzahl kontinuierlich. Ende 2010 waren im Gutsbezirk noch 105 Menschen gemeldet, 64 davon in Breithülen.

Das ehemalige Remontedepot und die Wohnsiedlung sind zusammen knapp 13 Hektar groß. Die Hofsiedlung mit sieben Häusern wurde 1903, die „Neue Siedlung“ mit fünf Häusern 1938 gebaut. Außerdem gibt es noch ein Gasthaus und zwei Backhäuser.

Der 6500 Hektar große ehemalige Truppenübungsplatz, das Kernstück des Biosphärengebietes Schwäbische Alb, bleibt weiterhin unbewohnt und gemeindefrei. Das Areal wird jetzt vom Landkreis Reutlingen verwaltet.


Gutsbezirk Breithülen