Gutsbezirk Breithülen
Geschichte des Ortes
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Remontedepot Breithülen 1906


Still und leise, ohne ein militärisches Zeremoniell, hat die Bundeswehr Ende 2004 den Mobilmachungsstützpunkt Breithülen ausgemustert. Von 1961 an lagerten auf dem rund 13 Hektar großen Areal verschiedene Geräteeinheiten ihr Material und ihre Fahrzeuge. Auf dem Gelände fanden zudem zahlreiche Übungen statt.

Zwischen 1898 und 1945 war in den Gebäuden ein Remontedepot untergebracht. Es hatte die Aufgabe,  junge Pferde auszubilden, die das Königlich Württembergische XIII. Armeekorps benötigte. Im Juni 1898 trafen die ersten Tiere ein. Unter anderem auch aus dem Haupt- und Landgestüt Marbach.

Das Depot bescherte den Landwirten in der Region ein gutes Zubrot, da sie Unmengen an Futter liefern mussten. Jedes Pferd fraß im Schnitt sieben Pfund Hafer und 16 Pfund Heu am Tag, ist in alten Aufzeichnungen von Depotleiter Major von Pentz nachzulesen.

Nach dem Ersten Weltkrieg lösten die Militärs das Depot auf. Die Reichswehr hatte nicht mehr genügend Pferde. Die Stadtverwaltung Stuttgart pachtete die Stallungen und gründete ein landwirtschaftliches Mustergut.

Jugendfreizeit in Breithülen 1925Der evangelische Jugendverein Stuttgart eröffnete 1925 in den leer stehenden Gebäuden ein Jugenderholungsheim mit 75 Betten. Fünf Jahre später schrieb die Heimatzeitung „Alb Bote“, dass bislang 1680 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland dort auf der Alb waren. Sie bleiben zwischen drei und zwölf Wochen.

Der Ennabeurer Pfarrer Josef Kulmus mietete Anfang der 1930er-Jahre die ehemalige Kommandantenvilla und gründete den Verein „Heim Breithülen“, der Jugendlichen preiswerte Ferien ermöglichte.

Von 1935 an herrschte wieder militärisches Leben auf dem Gelände. Das Oberkommando des Heeres erweckte das ehemalige Remontedepot wieder zum Leben, das Major Harry von Müller leitete. Zeitweise mussten er und seine 24 Mitarbeiter bis zu 400 Pferde pro Jahr ausbilden.

Die Huftiere kamen bis aus Argentinien auf die Alb: erst mit dem Schiff nach Hamburg, dann mit der Reichsbahn nach Hütten. Am 1. Oktober 1942 gründete die Wehrmacht den gemeindefreie „Heeresgutsbezirk Münsingen“, dem Breithülen angeschlossen wurde. Bislang gehörte das Hofgut zur nicht weit entfernten Gemeinde Ennabeuren.

Sichtung der RemontenBereits ein paar Wochen später mussten alle Remontewärter an die Front. Ihre Arbeit erledigten von nun an verwundete Soldaten. Danach kamen immer weniger Pferde, dafür mehr Soldaten nach Breithülen, die im Neuen Lager, im Alten Lager sowie in den Lagern Gänsewag und Feldstetten keinen Platz mehr fanden. Mit dem Einmarsch der Amerikaner im April 1945 endete die Geschichte des Remontedepots. Amtsleiter von Müller kam ins Kriegsgefangenenlager.

Zwischen 1946 und 1960 standen wieder zahlreiche Tiere in den Stallungen. In erster Linie Schweine und Kühe, die zu einem landwirtschaftlichen Betrieb gehörten.

Im Jahr 1961 übernahm die Bundeswehr das Anwesen, die daraus einen Mobilmachungsstützpunkt für nicht aktive Verbände aus dem Bereich des Wehrbereichskommandos V und des II. Korps in Süddeutschland machte.

In den folgenden Jahren waren dort unter anderem Geräteeinheiten von Krankenkraftwagen-Kompanien, Feldlazarettregimentern und Sicherungskompanien untergebracht. Um mehr Platz zu haben, wurden Mitte der 1960er-Jahre auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Landesstraße 230 elf große Blechhallen mit ausreichend Stauraum für Panzer und olivgrüne Krankenwagen gebaut.

Mobilmachungsübung im ehemaligen Remontedepot

Im Schnitt waren jeweils vier Kompaniefeldwebel und 20 Zivilbedienstete in Breithülen beschäftigt. Anfang 1997 löste die Bundeswehr den Mobilmachungstützpunkt auf.

Danach kamen immer wieder Soldaten, die dort ausgebildet wurden. Unter anderem bekamen SFOR- und KFOR-Soldaten ihren letzten Schliff, bevor sie in den Auslandseinsatz gingen.

Mitte November 2004 herrschte zum letzten Mal militärisches Leben in Breithülen. Die Soldaten des Heimatschutzbataillons 511 aus Stuttgart waren im Rahmen einer Übung in den ehemaligen Stallungen untergebracht.Anschließend wurden die Gebäude ausgeräumt und im April 2005 der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übergeben. Zwischen 2008 und 2011 nistete sich ein Reiterhof ein, bevor 2012 die Schuhfabrik Vitaform das Areal kaufte und dort ihre Produktionshallen einrichtete.

Der ehemalige Krankenstall im Remontedepot